Wirbellosenwelt

 

Cambarus manningi

Ein Freund hatte mich vor einigen Jahren auf diese wunderschönen und selten erhältlichen Krebse aufmerksam gemacht. Nachdem im Internet nicht wirklich viel Information über den Cambarus manningi zu finden war, hoffte ich einen Züchter zu finden von dem ich die Tiere beziehen und auch mehr über die Haltungsbedingungen erfahren könnte. Leider blieb meine Suche aber lange Zeit erfolglos.

Cambarus manningi - Grünsattelkrebs

Hier ein paar ältere Impressionen zu diesen wunderschönen Krebsen, damals leider noch ohne mein neues Foto-Equipment erstellt (der Farbunterschied zum letzten Bild kommt von der Beleuchtung des Aquariums - normalerweise betreibe ich diese mit LED oder simplen Leuchtstoffröhren aus dem Baumarkt, hier ist aber noch eine Aquarien-Röhre verbaut...):

 

Am 08.05.2012 hatte ich dann endlich Glück. Bei einer kurzen Stippvisite bei facebook las ich, dass Chris Lukhaup ein paar dieser seltenen Krebse abzugeben hätte. Nun hieß es schnell sein und Chris davon zu überzeugen, dass er ein paar Tiere für mich und auch meine Freunde reserviert. Bis dato kannte ich ihn ja nur von seinen Büchern. Zum Glück klappte alles reibungslos, meine Freunde und ich waren ganz aus dem Häuschen vor Freude. Da Chris die Tiere aufgrund der Temperatur verständlicherweise nicht versenden wollte, organisierte ich mir für den nächsten Tag Urlaub und vereinbarte mit einem der beiden Freunde ein Treffen entlang der Wegstrecke. Von dort aus wollten wir gemeinsam weiterfahren. Schon auf der Fahrt konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen. Vor allem, da es neben den Krebsen auch ein persönliches Kennenlernen mit Chris beinhaltete, von dem ich schon so viele traumhafte Fotos gesehen hatte und natürlich auch seine Bücher kannte.

Die lange Fahrt von über 300 km (einfache Wegstrecke) war jeden Meter wert. Chris war sympatisch und offen, ein Eindruck der sich auch bis heute nicht geändert hat. Er konnte uns mehr über die Lebensbedingungen der Tiere in den USA erzählen, da er dort schon mehrfach Cambarus manningi gefangen hatte. Da wir bezüglich der Haltungsbedingungen immer noch nicht recht viel wussten, waren das wertvolle Informationen für uns. Die Tiere waren erwartungsgemäß in einem super Zustand, kräftig und gut gefärbt.

Wieder daheim ging`s erstmal ans Umgewöhnen und nach 1,5 Stunden tröpfchenweise Anpassung konnten meine 2 Paare Cambarus manningi nach Mitternacht jeweils in ein Aquarium mit 80 cm Kantenlänge einziehen. 


Beckeneinrichtung, Vergesellschaftung und Futter:

Von Chris hatten wir die Information, dass er Cambarus manningi in schnell fliessenden, sauerstoffreichen und sauberen Bächen/Flüssen gefunden hatte. Sie leben dort meist unter Steinen und in Steinritzen. Pflanzen, Wurzeln und Laub sind in diesen Gewässern kaum vorhanden. Gern untergraben sie Steine um sich selbst eine Höhle zu bauen. Dementsprechend habe ich die Aquarien ausgestattet.

Als Grundlage habe ich 80er Aquarium verwendet, die schon über 2 Jahre laufen. Anfangs habe ich beide mit je einem Außenfilter (Ansaugstutzen hinter einer HMF Matte) betrieben und außerdem über eine kleine Strömungspumpe zusätzlich Bewegung und Sauerstoff ins Wasser eingebracht. Aufgrund der hohen Strompreise und dem stark gewachsenen Umfang meiner Anlage betreibe ich inzwischen alle Aquarien über HMF und mobile Mattenfilter direkt über einen Kompressor und eine Ringleitung. Statt der Strömungspumpe habe ich bei den manningis nun einen weiteren Luftheber ohne Matte im Einsatz, der zusätzlich für Wasserbewegung und Sauerstoff sorgt.

Während meine anderen Krebs-Aquarien mit Tonröhren, vielen Wurzeln und Pflanzen eingerichtet sind, besteht die Einrichtung meiner manningi Aquarien aufgrund der oben genannten Lebensbedingungen in den USA aus Tonröhren und Steinaufbauten und maximal einer kleineren Wurzel. Da die manningis gern selbst Steine untergraben und sich so eigene Höhlen bauen, habe ich größere Steine mit Tonröhren unterbaut. Gut eignen sich auch Plastikdeckel, wie man sie üblicherweise zum Verschliessen von Plastikrohren am Bau verwendet. Die meisten davon habe ich angesägt, so dass der Krebs sich weiter hineingraben kann und eine einsturzsichere Höhle entsteht. Gegenüber Tonröhren haben sie den Vorteil einer geraden Auflagefläche, aber leider auch den Nachteil, dass sie im Wasser einen leichten Auftrieb haben und man etwas Geschick benötigt, um sie richtig zu platzieren.

Wie Procambarus Arten sind auch die Cambarus manningi leidenschaftliche Schneckenjäger und –fresser. Daher habe ich neben Red Fire Garnelen auch Posthornschnecken eingesetzt. Damit ist sichergestellt, dass Futterverwerter für evtl. liegengebliebenes Futter vorhanden sind, aber auch bei selteneren Futterintervallen immer genug Futter für die Krebse zur Verfügung steht. Außerdem haben sie durch das Jagen und Erlegen der Beute auch gleich eine sinnvolle Beschäftigung. 

Als weiteres Futter dient mein selbst hergestelltes Spirulinafutter, Jumbo Mückenlarven, Krebs-Sticks, Laub etc. Natürlich habe ich auch Grünfutter wie Hokkaido Kürbis, Gurke, Erbsen etc. ausprobiert aber schnell festgestellt, dass die Manningis tierische und proteinreiche Ernährung dem Grünzeug vorziehen. Anfangs hatte ich deswegen Angst vor Häutungsproblemen, die sich aber bis heute nicht eingestellt haben. 

Hier ein Cambarus manningi kurz nach der Häutung:

Cambarus manningi kurz nach der Häutung

 
Das ist seine Excuvie (abgelegte Hülle):

Excuvie eines Cambarus manningi

Zucht:

Die Zucht von Cambarus manningi ist schwerer als bei den üblichen Aquarienkrebsen. Während meine CPO und auch die blauen Floridakrebse keine besonderen Anforderungen an die Zuchtumgebung stellen, muss man beim Cambarus manningi für eine Kältephase sorgen. Ich hatte Glück und konnte Informationen von Markus Güsgen, DEM "Krebsguru" schlechthin bekommen. Er hält die Krebse einzeln und setzt sie nur zur Paarungszeit zusammen. Diese beginnt ab Oktober, man erkennt den Beginn an den weißen Ausprägungen am Telson des Weibchen. Ab Ende November beginnt die Kältephase, bei der die Wassertemperatur unter 10° C liegen sollte. De Kältephase dauert bis Ende März. Gefüttert wird in dieser Zeit nur mit Laub. 

Da meine Kellerräume relativ gut gedämmt sind, war die geforderte Wassertemperatur von unter 10° C für mich ein echtes Problem. Im kältesten Raum konnte ich die Temperatur nur auf 13° C senken. Daher habe ich mir im Dezember einen Arcadia Aquarienkühler gekauft. Damit konnte ich die Temperatur endlich entsprechend regulieren. Als es dann im Frühjahr draussen etwas wärmer wurde, hab ich die Temperatur in kleinen Schritten langsam angehoben und so der Außentemperatur angepasst. 

Am 22. Dezember habe ich das erste tragende Weibchen entdecken. Allerdings befürchtete ich schon durch die Färbung der Eier (orange), dass diese nicht befruchtet sein könnte. Markus hat diesen Verdacht leider bestätigt und das Weibchen hat die unbefruchteten Eier nach kurzer Zeit abgeworfen.

So sollte es also nicht aussehen:

Weibchen mit unbefruchteten Eiern

 

Am 10. Mai konnte ich mein Glück kaum fassen - obwohl meine Krebse zu spät in die Kältephase kamen, hab ich ein tragendes Weibchen gesichtet, das definitiv befruchtete Eier trug. Ein traumhafter Anblick...

Weibchen mit befruchteten Eiern


Am 19.07.2013 dann endlich die Erleichterung. Hier ein paar unscharfe Schnappschüsse der Babys (und natürlich auch von der Mama, um zu zeigen dass sie alle Babys entlassen hat). Die schlechte Färbung liegt am Fotografieren mit Blitz und daran dass die Beleuchtung abmontiert war... Ich denke, dass die Krebse schon ein paar Tage alt sind und sich bisher nur sehr gut versteckt haben:

 

Um Kannibalismus oder Probleme mit dem Wasser so gut wie möglich zu verhindern, habe ich die 30 Babys am 20.07.2013 jeweils in 10er Gruppen aufgeteilt und in 3 getrennte Aquarien umgesiedelt. 

Hierzu habe ich 3 Aquarien verwendet, die bereits seit etwa 1 Jahr ohne Probleme mittels mobilem Mattenfilter betrieben werden. In jedes Becken habe ich zusätzlich einen tschechischen Luftheber eingebracht, der für mehr Sauerstoff und Strömung sorgt. Als Beckeneinrichtung habe ich Ziegelsteine mit kleiner Lochung, kleine Tonröhren, 1 kleinere Wurzel und Mooskugeln verwendet. Gefüttert wird mit Laub und einem Mix von fertigen Futtersorten. Anfangs habe ich versucht proteinarm zu füttern (selbst hergestelltes Spirulinafutter, verschiedene Grünfutter und Garnelenfutter von Tropical, Dennerle, SAK, JBL, Peters Laden...), da ich Häutungsprobleme befürchtete. Allerdings habe ich durch die leeren Blasenschnecken-Häuschen gesehen, dass sich die Krebse die Proteine anscheinend selbst besorgt haben. Daher wechsle ich nun auch mit proteinhaltigen Futtersorten ab und konnte bisher keine Ausfälle durch Häutungsprobleme feststellen. 

(Mehr zur Anpassung in die neuen Wasserwerte und die neuen Aquarien schreibe ich hier in Kürze).

 

Updates:

  • 21.07.2013: Heute hab ich im "Entlassungsbecken" noch ein Baby-Krebschen gefunden, das sich gut unter dem Laub versteckt hatte. Also sind es jetzt 31 Babys.
     
  • 27.07.2013: Mir war etwas mulmig, ob auch alle Babys das Umsetzen und die ersten Tage gut überstanden haben. Daher hab ich heute mal eine kleine Volkszählung gemacht und bin glücklich, dass alle 31 Cambarus manningi Babys wohlauf sind. Da ich die Baby-Krebse nur in 10er Gruppen in die Aquarien eingesetzt habe, scheinen sich auch die Raufereien in Grenzen zu halten. Sie können sich wohl gut aus dem Weg gehen, denn es fehlt kein einziges Scherchen. Sobald die Krebse weiter wachsen, werde ich sie weiter aufteilen.
     
  • 02.08.2013: Heute morgen habe ich ein paar frisch gehäutete Krebsbabys gesichtet. Aus Angst vor Fehlhäutungen habe ich gleich nochmal Krebschen gezählt. Zum Glück sind alle 31 Krebse wohlauf und bis auf 2 oder 3 kleinere scheinen alle relativ frisch gehäutet zu sein. Ich habe auch unzählige Excuvien gesichtet, an denen sich die Babys gerade zu schaffen machen und sie fressen.

Frisch gehäutetes Baby mit Excuvie

 

  • 23.11.2013: Von den anfangs 31 Babys habe ich noch 27. Sie wachsen sehr langsam, das größte Jungtier ist nach ca. 4 Monaten erst 2,5 cm groß. Aber wie man auf den Bildern sieht, haben schon etwas Farbe bekommen...

4 Monate altes Cambarus manningi Baby

Obwohl sie noch so klein sind, versuchen sie sich auch schon zu beweisen...

Cambarus manningi Jungtiere mit ca. 2,5cm

 

 

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